Hong Kong Vista

"Sharing pleasure is multi pleasure" – DonT.'s experiences in HK

About HK

Hong Kong flag

Hongkong kennt man gewoehnlich als vibrierende suedostasiatische Metropole, angefuellt mit emsiger chinesischer Geschaeftigkeit. Man kennt es als brodelnde Grossstadt, in der sich auf wenigen Quadratkilometern Millionen von Menschen so eng zusammendraengen wie nirgendwo sonst auf der Welt. Als maechtigsten Finanzplatz Asiens, Drehscheibe des suedostasiatischen Kapitals. Als riesenhaftes Einkaufsparadies, in welchem elektronische und optische Geraete, aber auch Kleider und Schmuck guenstiger angeboten werden als irgendwo sonst. Als Kolonie der unbegrenzten Moeglichkeiten, in der jeder siebzigste Fluechtling, welcher mit Strohsandalen ber die Grenze kam, als Millionaer stirbt; und wo mehr Rolls Royce gefahren, mehr franzoesischer Cognac getrunken und mehr Schweizer Luxusuhren getragen werden als an irgend einem an deren Ort auf der Welt.
Bekannt ist auch das unueberblickbare Gewimmel schaukelnder Dschunken, auf denen Abertausende von ‘Wasserchinesen’ ihr ganzes Leben verbringen. Und beruehmt-beruechtigt der chronisch ueberlastete Flughafen, der – als Landnase ins Meer hinausgebaut – zu den gefaehrlichsten der Welt zaehlt und deshalb nur von Piloten mit einer Spezialausbildung angeflogen werden darf.

Kaum jemand weiss jedoch, dass hinter den Wolkenkratzern von Kowloon (‘Kaulun’ gesprochen) die britische Kronkolonie noch laengst nicht zu Ende ist: Dort beginnt das gruene, huegelige Hinterland Hongkongs, ‘New Territories’ genannt, das mit einer Flaeche von rund 800 Quadratkilometern immerhin 75 Prozent der Gesamtflaeche Hongkongs ausmacht. In diesem landschaftlich reizvollen, spaerlich besiedelten Gebiet bestellen die Bauern ihre Felder teilweise noch mit einem hoelzernen Pflug, vor den ein Bueffel gespannt ist. Und es lassen sich ausgedehnte Wanderungen unternehmen, vorbei an ueppig bluehenden Tropenpflanzen, gaukelnden Schmetterlingen, belebten Ententeichen, einfachen Bauernhaeusern und freundlich gruessenden Menschen.
Des weiteren sind sich nur die wenigsten bewusst, dass Hongkong noch 235 zumeist unbewohnte Inseln mit verschwiegenen Straenden und kaum begangenen Pfaden sein eigen nennt, die sich rund um das hektische Zentrum der Kolonie verteilen. Manche von ihnen sind so winzig, dass man kaum auf ihnen sitzen kann; andere sind eine Welt fuer sich. Insgesamt weist dieser Archipel eine Flaeche von fast 180 Quadratkilometern auf, das entspricht mehr als 15 Prozent der Gesamtflaeche Hongkongs.

Hongkong – das ist also in Wirklichkeit eine ueberwiegend laendliche Kolonie, mit insgesamt 1069 Quadratkilometern rund siebenmal so gross wie das Fuerstentum Liechtenstein und zu rund neunzig Prozent nicht dichter besiedelt als die Lueneburger Heide. An zwei ‘Brennpunkten’ allerdings, den nur durch einen Kilometer Meerwasser getrennten Staedten Victoria und Kowloon, da ueberquillt Hongkong foermlich von Menschen, Gebaeuden, Fahrzeugen, Lichtern, Laerm und geschaeftiger Aktivitaet. Und weil die allermeisten der jaehrlich ueber fuenf Millionen Besucher Hongkongs bei ihrem durchschnittlich 3,5 Tage dauernden Aufenthalt in den Hotels, Bars und Einkaufsstrassen dieser beiden Millionenstaedte haengen bleiben (und sich hoechstens noch zu einem Besuch der Aussichtsterrasse auf dem Victoria Peak und dem Dschunkenhafen in Aberdeen hinreissen lassen), hat sich in unserer Vorstellung das gaengige Bild von Hongkong als einer einzigen fieberhaft aktiven Metropole geformt. Zwei weitere reizvolle Facetten der Kolonie bleiben dabei unbeachtet.

Siegespraemie aus Opiumkrieg
Das heutige Hongkong laesst sich also in vier Teile zerlegen: erstens die Insel Hongkong, der die Kolonie ihren Namen verdankt und auf der sich die Hauptstadt Victoria befindet, zweitens die Halbinsel Kowloon, ueber die sich die gleichnamige Grossstadt ausdehnt, drittens das Festlandgebiet der New Territories, das an die suedchinesische Provinz Guangdong (Kanton) grenzt, und viertens die 235 der Kueste vorgelagerten Inseln, von denen Lantau die groesste ist. Diese vier Teile sind in drei Etappen – 1842, 1860 und 1898 – zur britischen Kolonie zusammengeschmolzen.
Angefangen hatte es mit dem britisch-chinesischen ‘Opiumkrieg’, der von 1839 bis 1842 waehrte. Die Ereignisse lassen sich vereinfacht etwa so sehen: Das China des 18. Jahrhunderts war reich an Silber, konnte jedoch seinen immensen Opiumbedarf nicht aus eigenem Anbau decken. In Indien dagegen, das damals von der britischen East India Company verwaltet wurde, gab es im ueberfluss Opium – und zudem einen unstillbaren Hunger nach Edelmetallen. So klemmten denn die Briten sozusagen einen Fuss in die Tuer des ansonsten unnahbaren chinesischen Kaiserreichs, indem sie bei der Stadt Kanton am suedchinesischen Perlfluss eine bescheidene Niederlassung zum Zweck des Opiumhandels gruendeten. Das Geschaeft kam allerdings erst so richtig in Schwung, als der chinesische Kaiser den Rauschgiftimport in sein Reich untersagte: 1833 wurden gut 20 000 Kisten Opium nach China geschmuggelt, 1837 mehr als 40 000 – immer im Tausch gegen hartes chinesisches Silbergeld.

Schliesslich wurde es dem Kaiser zu bunt: Er schickte einen unbestechlichen Regenten nach Kanton, der nicht nur alle Opiumpfeifen beschlagnahmen und ein paar Schmuggler koepfen liess, sondern auch 20 291 im Besitz der britischen Haendler befindliche Kisten Opium konfiszierte und die ‘Langnasen’ aus ihrer Niederlassung bei Kanton vertrieb.
Die britische Regierung war im Grunde genommen nicht daran interessiert, wegen dem Verlangen einer Handvoll Rauschgifthaendler nach Schadenersatz und Genugtuung einen Krieg mit China zu entfesseln. Andererseits stand das Prinzip des freien Warenaustauschs auf dem Spiel, und zudem war Opium Indiens ertragreichster Exportartikel. Der Opiumkrieg konnte beginnen…

Der Zwist war lange Zeit vor allem ein Kampf der Worte, Drohgebaerden und Taeuschungsmanoever. Entscheidend war schliesslich im Jahr 1841, dass Kapitaen Charles Elliot von der Royal Navy mit seinen Kanonenbooten im Handstreich die Hafenfestung bei Kanton eroberte. Die Chinesen wurden zur Kapitulation und zu groesseren Zugestaendnissen gezwungen: Volle Entschaedigung fuer die 20 000 beschlagnahmten Kisten Opium, Wiederbelebung des britischen China handels, Abtretung der Insel Hongkong als unantastbare britische Handelsstation.

Damit war der Grundstein fuer die britische Kolonie an der Muendung des Perlflusses gelegt. Im britisch-chinesischen ‘Vertrag von Nanking’ (1842) wurden die Besitzverhaeltnisse der Insel eindeutig festgehalten: ‘… auf dass sie in Ewigkeit Eigentum Ihrer Britischen Majestaet, Ihrer Erben und Nachfolger sei’.
Koenigin Viktoria war keineswegs begeistert, als ihr ein Bote die Nachricht ueberbrachte, Hongkong sei nun dem Empire einverleibt. Denn die 78 Quadratkilometer grosse Insel hatte in der Tat wenig zu bieten: eine rauhe Kueste, kaum pfluegbares Ackerland, keine Spuren von Bodenschaetzen. Auch Aussenminister Palmerston aergerte sich anfaenglich ueber Elliot. ‘Sie haben ohne zwingende Notwendigkeit Bedingungen akzeptiert, die von den Ihnen anbefohlenen weit entfernt waren. Namentlich haben sie die Abtretung Hongkongs erwirkt, einer nackten Insel mit kaum einem Haus darauf. Es sieht nun ganz so aus, als werde in Suedchina niemals ein Markt entstehen’, liess er ihn wissen.

Elliot, der erfahrene Kapitaen, hatte jedoch den Wert der Insel Hongkong wohl bemerkt: Die Meerenge zwischen der Insel und dem Festland bildete einen riesenhaften natuerlichen Tiefseehafen, in welchem beliebig viele Schiffe jeglicher Groesse vor Stuermen Zuflucht suchen konnten – seien es nun heimtueckische Taifune mit ihren Wolkenbruechen oder aber die stuermischen Wutausbrueche eines chinesischen Kaisers.
Und tatsaechlich war es dieser Hafen mit seiner geografisch und strategisch optimalen Lage, sozusagen am Knotenpunkt der Weltschiffahrtswege, der schliesslich zum ungeahnten wirtschaftlichen Wachstum und zum beispiellosen Wohlstand der britischen Kolonie am Perlfluss fuehrte.
Kowloon kam 18 Jahre spaeter, 1860, zu Hongkong, ebenfalls ‘auf ewig’. Die Briten hatten die Chinesen im Anschluss an deren Niederlage im ‘Zweiten Opiumkrieg’ zum Verzicht auf die Halbinsel gegenueber dem Victoria-Hafen gezwungen. Kowloon war fuer England vor allem aus militaerischen Ueberlegungen, zur Sicherung des Hafenbeckens, von grossem Interesse.

Weitere 38 Jahre spaeter, 1898, wurde Hongkong um die New Territories und die 235 vorgelagerten Inseln erweitert, und zwar wurden sie nachdruecklich fuer 99 Jahre dazugepachtet, zum laecherlichen jaehrlichen Mietpreis von 5000 Hongkong-Dollar, das sind gegenwaertig rund 600 US-Dollar. England hatte China zu diesem Pachtvertrag draengen koennen, als das Kaiserreich infolge seiner Niederlage im Krieg gegen Japan stark geschwaecht war. Das unerschlossene Huegelland der New Territories sollte der florierenden Kolonie als Gemuesegarten und Trinkwasserspeicher dienen, die diversen Inseln waren aus militaerischen Gruenden interessant.

Stadt der China-Fluechtlinge
Koenigin Viktoria wuerde sich wahrscheinlich wundern, wenn sie die von ihr so beilaeufig in Besitz genommene Kolonie an der suedchinesischen Kueste heute sehen koennte! Hongkong zaehlt mittlerweile zu den zwanzig fuehrenden Handelsnationen der Welt. Es ist unter anderem der Welt bedeutendster Exporteur von Kleidung, Spielsachen, Radios und Plastikblumen. Seine oekonomischen Erfolge werden in ganz Asien nur noch von Japan uebertroffen.
Hongkongs Hafen steht in der Rangliste der leistungsfaehigsten Tiefseehaefen der Welt an dritter Stelle. Gegen hundert Ozeanfrachter koennen gleichzeitig geloescht und beladen werden. Zudem besitzt Hongkong die fuenftgroesste Handelsflotte der Welt mit einem Volumen von 40 Millionen Registertonnen.
Die einst ‘nackte’ Insel Hongkong ist, als Sitz der Koloniehauptstadt Victoria, uebersaet von riesigen Wolkenkratzern, opulenten Hotelpalaesten, futuristischen Bankgebaeuden und unzaehligen Luxusresidenzen an den Haengen des Victoria Peak.

Kowloon ist eine einzige, von Industrie durchsetzte Grossstadt mit ueber 1,5 Millionen Einwohnern, wobei der Bezirk Mongkok die zweifelhafte Ehre hat, als Ort mit der weltweit groessten Wohndichte (165 000 Bewohner je Quadratkilometer) im ‘Guiness-Buch der Rekorde’ erwaehnt zu werden.

In den New Territories sind aufgrund des rapiden Bevoelkerungs- und Wirtschaftswachstums mancherorts surrealistische Satellitenstaedte mit Fabrikhochhaeusern und Wohnwolkenkratzern entstanden. So expandierten etwa der ehemalige Marktflecken Tsuen Wan oder der winzige Piratenschlupfwinkel Tuen Mun zu Staedten mit heute nahezu einer Million Einwohnern. In den New Territories befinden sich ferner riesige kuenstliche Wasserreservoirs, darunter die ehemalige Meeresbucht Plover Cove mit 230 Millionen Kubikmetern Suesswasser. Und hier finden etwa 100 000 Bauern als Gemuesepflanzer und Viehzuechter ihr Auskommen.

Unter den heute 5,7 Millionen Einwohnern Hongkongs befinden sich weniger als 150 000 westliche und indische Geschaeftsleute. Die weit ueberwiegende Mehrzahl der Hongkonger (98 Prozent) sind Chinesen. Sie kamen als Fluechtlinge aus der benachbarten Volksrepublik, wo die wirtschaftlichen Erfolge Hongkongs und die demokratischen Freiheiten in der britischen Kolonie von jeher wie ein Magnet wirkten. 1916 zaehlte die Einwohnerschaft 0,5 Millionen Menschen, 1941 waren es 1,5 Millionen, und 1956 bereits 2,5 Millionen.

Ein Land, zwei Systeme?
Am l. Juli 1997 wird Hongkong in den Schoss des Mutterlands China zurueckkehren. Denn am 30. Juni 1997 laeuft der 1898 zwischen China und England auf 99 Jahre geschlossene Pachtvertrag fuer die New Territories und die 235 vorgelagerten Inseln ab. Eigentlich wuerde den Briten dann noch die Insel Hongkong sowie die Halbinsel Kowloon bleiben, welche die Chinesen seinerzeit >>auf ewig<< an die Briten abgegeben hatten. Doch die Regierung der heutigen Volksrepublik China hat jene erzwungenen Vertraege nie anerkannt. 1997 werden die Chinesen darum die Souveraenitaet ueber die gesamte Kolonie erlangen.
1984 fanden Verhandlungen zwischen London und Peking ueber die Rueckgabe der Kolonie an China statt. Ueberraschenderweise kam es zur Unterzeichnung eines Abkommens, in welchem die Zukunft Hongkongs nach Ablauf des Pachtvertrags geregelt wird und dem die Formel ‘Ein Land, zwei Systeme’ zugrunde liegt: Peking versprach darin, dass Hongkong auch nach der Wiedervereinigung mit dem kommunistischen Mutterland das kapitalistische Gesellschafts- und Wirtschaftssystem waehrend mindestens 50 Jahren beibehalten kann und zu diesem Zweck den Status einer ‘Administrativen Sonderzone’ mit einem >>maximalen Mass an Souveraenitaet<< erhaelt.

Weshalb diese grosszuegigen Zugestaendnisse seitens der Volksrepublik China? Schliesslich waere es fuer den kommunistischen Riesen ja ein leichtes, sich den kapitalistischen Zwerg sang- und klanglos einzuverleiben.

Die Antwort ist einfach: China profitiert seit jeher maechtig von der geschaeftigen Kolonie an seiner Suedkueste. Hongkong ist der groesste Handelspartner der Volksrepublik; rund fuenfzig Prozent aller rotchinesischen Devisengeschaefte werden ueber Hongkong abgewickelt. Zudem ueberweisen die Hongkong-Chinesen jedes Jahr Geld im Wert von vielen Millionen US-Dollar an ihre Verwandten auf dem Festland. Und sie gehoeren zu den groessten Investoren: In der Nachbarprovinz Guangdong haben sie rund drei Millionen Arbeitsplaetze geschaffen. Weil China von Hongkong so stark profitiert, hat Peking auch nach 1997 ein vitales Interesse am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wohlergehen des ideologischen Fremdlings. Kein vernuenftiger Mensch schlachtet ein Huhn, das goldene Eier legt.

So sagten und beruhigten sich die Hongkonger jedenfalls bis vor kurzem. Tief sass daher der Schock, als am 4. Juni 1989 die Panzer der chinesischen Volksbefreiungsarmee die studentische Demokratiebewegung auf dem Tienanmen-Platz in Peking niederwalzten. Seit dem blutigen Massaker ist das 5,7 Millionen Volk nicht mehr so sicher, ob sich Peking an sein Versprechen von 1984 halten wird. Aus Angst vor der ungewissen Zukunft versuchen nun viele Bewohner Hongkongs, sich noch rechtzeitig ins Ausland abzusetzen.

Das ist allerdings fuer viele nicht so einfach. Denn die meisten Hongkong-Chinesen sind lediglich im Besitz von ‘British Dependent Territory Passports’ – Paessen, mit denen sie sich in Grossbritannien nicht niederlassen koennen. Mit der Angst der Hongkong-Chinesen machen jetzt vor allem Immobilienfirmen in Kanada, Australien und den USA das grosse Geschaeft. Denn wer sich in diesen englischsprachigen Laendern Wohneigentum leisten kann, erhaelt sofort eine Niederlassungsbewilligung und nach kurzer Zeit auch das Buergerrecht. Die Nachfrage sei ’schlicht ueberwaeltigend’, heisst es aus Maklerkreisen.
1997 – das Schicksalsjahr fuer ueber 5,5 Millionen Hongkonger rueckt mit jedem Tag naeher. Was die Bevoelkerung der geschaeftigen Kolonie dann erwartet, bleibt abzuwarten. Vielleicht ist China das kapitalistische Fleckchen an seiner roten Weste ja – allen Pessimisten zum Trotz – im woertlichen Sinn Gold wert. Den Hongkongern waere dies jedenfalls zu wuenschen.

ÿKasten: Was bedeutet ‘Hongkong’?
In die europaeischen Sprachen ist der Name ‘Hongkong’ aus einem chinesischen Dialekt uebernommen worden, den unter den heutigen Einwohnern der britischen Kolonie nurmehr eine Minderheit spricht, naemlich die Dschunkenbewohner vom Stamme der Tankas. In der vorherrschenden kantonesischen Aussprache klingt ‘Hongkong’ dagegen wie ‘Hoenggong’, und im Hochchinesischen (Mandarin) heisst es gar ‘Hsiangkang’. Die chinesische Schreibweise ist dabei aber allemal die gleiche.

Das zweite, fuer ‘Kong’ stehende Zeichen bedeutet gewoehnlich ‘Hafen’ und bezeichnet oft groessere Buchten und Sunde, die sich als natuerliche Haefen eignen. Die Deutung des ersten Namensteils, des ‘Hong’, ist schwieriger: Das chinesische Zeichen bedeutet im Grunde ‘Duft’ und ‘wohlriechend’, kann aber auch Weihrauch oder Gewuerze bezeichnen.

‘Hongkong’ koennte also mit ‘Wohlriechender Sund’ uebersetzt werden, und vermutlich besagt der Name, dass hier einst – lange vor dem Eintreffen der Europaeer – ein florierender Handel entweder mit Raeucherstaebchen und Weihrauch oder aber mit Gewuerzen stattgefunden hatte.
Urspruenglich bezog sich der Name ‘Hongkong’ wahrscheinlich nur auf das Fischerdorf Aberdeen im Sueden der Insel Hongkong, ging dann aber auf die ganze Insel und spaeter sogar auf die gesamte Kolonie ueber. Wer sich heute durch die verkehrsreichen, mit Auspuffgasen angefuellten Einkaufsstrassen Hongkongs bewegt, der duerfte allerdings bezweifeln, ob dies der passendste Name fuer die geschaeftige Kolonie ist…

ÿBildlegenden
Der Central District der Hauptstadt Victoria ist das finanzielle und politische Machtzentrum der britischen Kronkolonie an der suedchinesischen Kueste. Hier befinden sich nicht nur die protzigen Tuerme der groessten Banken, sondern auch das Regierungsgebaeude, die Residenz des Gouverneurs und das Rathaus.
Spricht man vom Einkaufsparadies Hongkong, so meint man in erster Linie die Geschaeftsstrassen Kowloons, wo dichtes Menschengedraenge, bunte Neonreklamen, ueberladene Schaufenster, lautstarker Verkehr und eine Art permanente Winterschlussverkaufsstimmung die Atmosphaere praegen.
Im Dschunkenhafen von Aberdeen an der Suedkueste der Insel Hongkong leben viele hundert Fischerfamilien, zumeist Angehoerige des Stammes der Tanka, permanent auf ihren schaukelnden Booten. Kleine Sampans besorgen den Verkehr zwischen den Dschunken und dem Land.

Ueberraschungen an jeder Ecke kann man in Victorias Western District erleben, wo die traditionelle staedtische Gesellschaft Chinas vorherrscht. Zwar ist es nicht besonders schoen hier, aber zweifellos sehr farbig, und ueber und unter den Ladentischen kann man neben den alltaeglichsten auch die unmoeglichsten Sachen kaufen.

Faehrt man von der geschaeftigen Nordkueste der Insel Hongkong hinueber auf die Suedseite, so gelangt man in eine andere Welt: Sanfte gruene Huegel umrahmen liebliche Buchten mit huebschen weissen Sandstraenden. 14 von Hongkongs 36 oeffentlichen Badestraenden befinden sich hier, darunter die populaere Repulse Bay.

Viele Bewohner der New Territories sind Hakkas – zaehe, kleinwuechsige, von der harten Feldarbeit gezeichnete Menschen. Die Frauen tragen grosse schwarze Huete, deren Krempe mit einem volantartigen Vorhang zum Schutz gegen die Sonne versehen ist. Und sie zuenden sich ganz gerne zwischendurch eine Pfeife an.

Hongkong

1990 Markus Kappeler
(erschienen in der ‘Flags of the Nations’ Stamp Collection, Groth AG, Unteraegeri)